Unbequeme Wahrheiten – Aus dem gefährlichen Alltag eines Journalisten in Mexiko
Laut "Reporter ohne Grenzen" ist Mexiko für Journalisten das gefährlichste lateinamerikanische Land: Seit 2000 sind dort 60 Journalisten ermordet worden. Pedro Matías Arrazola, 45 Jahre alt, gehört den Zapoteken an, der größten indigenen Gruppe in der Provinz Oaxaca, dem ärmsten der 32 mexikanischen Bundessstaaten. Anders als im Norden, wo speziell der Grenzbereich zu den USA von der organisierten Kriminalität beherrscht wird, sind es im Süden soziale Probleme, staatlich sanktionierte Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Straflosigkeit, die das Leben der überwiegend indigenen Bevölkerung bestimmen. Matías ist seit 1986 in Mexiko für verschiedene politische Magazine, Fernseh- und Radiosender sowie die Nachrichtenagentur NOTIMEX tätig. Er konzentriert sich in seiner Arbeit auf Übergriffe staatlicher Stellen und berichtet über die Situation der indigenen Bevölkerung, die allgegenwärtige Korruptheit von Politikern und Parteien und natürlich von den Forderungen regierungskritischer Gruppen. Für seine „Nachrichten und Reportagen" erhielt Matías 1993 den „Journalistenpreis Oaxaca“.
Objektive Berichte über die wahren Hintergründe der sozialen Konflikte sind weder von Seiten der Regierung noch des organisierten Verbrechens erwünscht und werden gewaltsam unterdrückt. Wegen seiner unbequemen Berichterstattung wurde Pedro Matías Arrazola am 25. Oktober 2008 schließlich selbst Opfer einer brutalen Entführung. Seine Peiniger hielten ihn zwölf Stunden lang fest, simulierten eine Scheinhinrichtung, drohten mit Vergewaltigung und Enthauptung. Später setzten sie ihn ohne Papiere aus. Danach lebte Matías in wechselnden Verstecken, ehe er im Juni 2009 nach Hamburg ausreisen konnte. Die Täter gaben sich als "Zetas" aus, Kriminelle der Drogen-Kartelle. Doch Matías hat Zweifel. Er habe nie über den Drogenhandel geschrieben. Sein Thema sei die soziale Gewalt im Süden Mexikos. Er vermutet staatliche Stellen als Drahtzieher.
Die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte hat Pedro Matías Arrazola ein Stipendium für ein Jahr verliehen, so dass er frei als Journalist in Deutschland arbeiten und auf die Situation in seiner Heimat aufmerksam machen kann.
Die an der Herderschule beheimatete Lüneburger Jugendgruppe von amnesty international hat den mutigen Journalisten in die Hansestadt eingeladen. Am Dienstag, den 9. März 2010 wird er ab 19.30 Uhr in der Aula der Herderschule über die aktuelle Situation in Mexiko berichten und Fragen des Auditoriums beantworten. Matías spricht spanisch – für eine Übersetzung ins Deutsche wird aber gesorgt. Der Eintritt ist frei.